Black Star – die Großübung verbindet realitätsnahes Training und gleichzeitige Zertifizierung des Kommando Spezialkräfte rund um den Trollenhagener Flugplatz in Mecklenburg-Vorpommern. Ziel ist es die gut 400 Einsatzkräfte des KSK auf ihre künftige Rolle im Rahmen des nationalen Risiko- und Krisenmanagements vorzubereiten.

„Train as you fight“

Einige der am besten ausgebildeten Spezialisten im deutschen Heer werden in der Division Schnelle Kräfte zusammengefasst. Diese beinhaltet neben den Fallschirmjägerverbänden auch die Hubschraubereinheiten und nicht zuletzt das Kommando Spezialkräfte. Die Aufgaben der DSK umfassen dabei generell auch die Evakuierung und Rückführung deutscher Staatsbürger aus dem Ausland. Genügt jedoch eine einfache oder gegebenenfalls auch bewaffnete Rückführung nicht mehr, übernehmen die Soldaten des Kommando Spezialkräfte. Damit die Spezialisten aus Calw dabei auch stets auf höchstem Niveau interagieren können, gilt bei ihren Ausbildungen und Übungen generell der Grundsatz „train as you fight“ – also so nah am Ernstfall wie möglich zu trainieren, um für den scharfen Einsatz auch entsprechend gerüstet zu sein.

Black Star – mehr als nur eine einfache Übung

Bei der Großübung Black Star handelt es sich nicht um eine Übung wie jede andere. Vielmehr werden über einen Zeitraum von 4 Wochen mehrere Übungen mit 3 grundlegenden Szenarien durchgeführt und dabei die 1. Einsatzkompanie des KSK für die nächsten 18 Monate als einsatzbereit zertifiziert. Die bescheinigt den Soldaten in der Folge unter anderem, wenn nötig weltweit bewaffnete Geiselbefreiungen mit besonders kurzer Abrufzeit durchführen zu können. Dazu üben im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte rund um die Standorte Lehnin, Altengrabow, Burg und nicht zuletzt den Flughafen Trollenhagen rund 400 Angehörige der Spezialkräfte, Unterstützer und ausgewählte Spezialisten.

So nah an der Realität wie möglich

Die Szenarien und Lösungsansätze sind so realitätsnah wie möglich gewählt und orientieren sich stark an den Taktiken realer Entführer-Gruppen. Bei der in der Übung dargestellten Lage wurde im fiktiven Staat „Zubalia“ ein deutscher Staatsangehöriger verschleppt und muss befreit werden. Während auch die auf Verhandlungserfolgen basierende Auflösung des Szenarios geprobt wird, ist natürlich auch der Einsatz militärischer Gewalt ein möglicher Verlauf der Handlungsoptionen. Bei diesem dringen nach intensiven Planungen und taktischen Besprechungen Soldaten der Spezialkräfte in das Einsatzgebiet vor. Dort befreien sie die Geisel unter dem Einsatz von Waffengewalt und ziehen sich in der Folge wieder zurück. Da hierbei die höchste Priorität stets auf dem Schutz und der Sicherheit der Geisel liegt, handelt es sich um eine der schwersten Aufgabenstellungen im militärischen Kontext überhaupt. Deshalb gelangen die Spezialkräfte oftmals mit Fallschirmen und unterstützt durch Hightech und den Schutz der Nacht an ihr Ziel. Dementsprechend wird dieses Vorgehen auch im Rahmen der Übung rekreiert. Dazu wurden im Vorfeld gut 200 Tonnen Material an die Übungsstätte transportiert, darunter 2,5 Tonnen Munition und 22 Zelte. Zudem stehen neben Mehrzweckhubschraubern NH90 auch Flugzeuge des Typs A400 M und C-160 Transall zum Einsatz bereit, sowie Angehörige der Fallschirmjäger, von Sanitätskräften und Aufklärern und vielfältige weitere Spezialisten. Diese umfassen neben Logistikern, Hubschrauberbesatzungen und Angehörigen des Bundesnachrichtendienstes auch Verhandlungsspezialisten des Bundeskriminalamts.

Zudem kommen bei der Großübung auch Diensthunde und weitere Spezialkräfte aus den Reihen von Luftwaffe und Heeresfliegern zum Einsatz. Ein großer Fokus liegt dabei neben der eigentlichen Durchführung auch auf der Koordination und Steuerung des Einsatzes im Zusammenspiel aller beteiligten Kräfte. Dadurch soll den Soldaten die bestmögliche Vorbereitung für den Ernstfall geboten werden.

Erstmals derartige Öffentlichkeit

Während das 1996 aufgestellte KSK normalerweise die Öffentlichkeit scheut, zeigt die militärische Führung mit „Black Star“ ungewohnte öffentliche Präsenz. Dies trägt neben der Neustrukturierung auch der steigenden Bedeutung der Rolle der Spezialkräfte Rechnung. Unlängst schützen diese auch den Abzug der letzten deutschen Truppen aus Afghanistan und blicken nun laut Aussagen des Chef des Stabes in Trollenhagen einsatzbereit in die Zukunft.

Bilder: Bundeswehr/KSK